Das Damaskus-Zimmer

im Museum für Völkerkunde Dresden - Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen

Restaurierung


Die letzten 200 Jahre sind nicht spurlos an dem Zimmer vorüber gegangen. Viele Holzteile sind abgebrochen, vom Wurm zerfressen oder haben Trockenschwundrisse be-kommen. Die Farbe blättert großflächig ab, die Metallauflagen sind korrodiert, die eingesetzten Spiegel trübe geworden. Auf den farbenprächtigen Malereien liegen millimeterdicker Staub, Vogeldreck, angetrocknete Spritzer von Wand- und Ölfarbe sowie verbräunte Überzüge, die Renovierungen des Zimmers bereits im Orient zuzuschreiben sind. Die üppigen Verzierungen sind unter diesen Oberflächenverschmutzungen kaum zu erkennen.

Aufgabe der Restauratoren ist es nun, das Zimmer behutsam wieder zum Leben zu erwecken. In sorgfältiger Kleinarbeit werden die lockeren Farbschollen auf dem Holz wieder angeklebt, die Staub- und Schimmelbeläge entfernt sowie entstellende Übermalungen und verbräunte Überzüge mit fingernagelgroßen Wattestäbchen abgenommen. Desolate Holzteile müssen stabilisiert und fehlende Holzverbindungen ergänzt werden. Die winzigen weißen Fehlstellen werden mit spitzem Pinsel und verschiedenen Farben retuschiert. Mit dem Zusammenbau der Einzelteile auf einer speziellen Unterkonstruktion kann das Zimmer Schritt für Schritt zum Leben erweckt werden. So soll einem Kleinod osmanischer Innenarchitektur wieder zu seiner bezaubernden Pracht verholfen werden.

Einblicke in die Holz- und Maltechnik

Die meisten Holzteile des Damaskus-Zimmers sind aus Pappelholz gefertigt und Zapfen- und Schlitzverbindungen als Rahmen-Füllungssystem zusammengefügt. Das Pappelholz mit dem aufgeleimten Schnitzereien wurde mit einer Gips-Leim-Grundierung überzogen und die Ornamente mit Hilfe einer Lochschablone und eines Kohlepausbeutels übertragen. Die als feine schwarze Pünktchenlinien sichtbaren Ornamente wurden dann mit einer dickflüssigeren Gips-Leim-Masse plastisch ausgefüllt. Nach dem Trocknen legten die Künstler die vier verschiedenen Blattmetalle auf: Blattgold, Zinnfolie, als Blattmetalle dünn ausgeschlagenes Messing und Kupfer. Als Anlegemittel kam ein speziell zubereitetes Öl zur Anwendung.
Nach dem Anschießen der Blattmetalle wurden die Innenflächen reich mit Blumenbouquets und Fruchtschalen, stilisierten Stadtlandschaften, floraler und traditioneller geometrischer Ornamentik bemalt. Die Tempera- und Leimfarben enthalten überwiegend aus Mineralien hergestellte Pigmente wie das herrlich glitzernde Auripigment, Mennige, Zinnober oder Mineralschwarz. Zudem finden sich nach uralten Rezepturen hergestellte Pigmente wie Bleiweiß, Krapprot, Indigo und Smalte (gemahlenes blaues Glas).
Diese Pigmente wurden zum Teil recht grobkörnig benutzt, um matte, teils samtartige Oberflächen zu erzeugen. Das Zimmer wurde auf diese Art und Weise üppig, farbenfroh und elegant ausgestattet. Das Spiel des Lichts an den reflektierenden feinteiligen Blattmetallflächen wird durch eingesetzte Spiegel noch verstärkt.

Weitere Informationen zu den restauratorischen Untersuchungen (englisch)...

Damaskuszimmer
Damaskus-Zimmer

 

Damaskus Zimmer
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